1200 Jahre Pfohren - Das erste Dorf an der jungen Donau

 

  

 

 

Im St. Galler Stiftsarchiv sind rund 20 000 Originalurkunden verwahrt.

 

Zu den ältesten zählen 97 Königsurkunden, die zwischen den Jahren 700 und 1000 ausgefertigt wurden.

 

Eine davon, die nicht nur im Original, sondern auch noch in vorzüglichem Zustand erhalten ist, stellt das früheste Schriftzeugnis für die Existenz Pfohrens dar.

 

 

 

Ausgestellt wurde diese Urkunde am 4. Juni 817 in der Kaiserpfalz zu Aachen. Unterzeichnet ist sie von Kaiser Ludwig („der Fromme“), dem Sohn des fränkischen Kaisers Karl („der Große“).

 

 

 

Ein Dorf im heutigen Sinn war Pfohren damals allerdings noch nicht. Im Wesentlichen dürfte die Siedlung vielmehr aus dem bereits im Jahre 856 urkundlich erwähnten Königsgut „der Frohnhof“ und ein paar weiteren Gehöften bestanden haben. Gemeinden wie man sie heute kennt, sind in unserer Gegend erst etwa ab dem 13. Jahrhundert entstanden, und die in der Landesverfassung garantierte kommunale Selbstverwaltung hat sich erst nach und nach entwickelt.

 

Für Einhaltung der Regeln und Schlichtung von Streitigkeiten war von 1496 bis 1831 ein Vogt eingesetzt. Erst ab 1832 gab es nach der Badischen Gemeindeverfassung den Bürgermeister und den Gemeinderat. Die Verwaltungsgeschäfte erledigten damals der Gemeinderechner und der Ratschreiber. Dies war auch in Pfohren so. Im Ortsarchiv findet sich der Name eines Gemeinderechners erstmals in der Jahresrechnung von 1828. Der letzte Gemeinderechner in Pfohren war Hans Kehr, der dieses Amt bis Ende 1971 wahrnahm und nach der Eingliederung von Pfohren bei der Stadt Donaueschingen dort noch viele Jahre als Leiter der Stadtkasse tätig war.

 

 

 

Als Schreiber des Ortsgerichts – diese Tätigkeit dürfte mit der des Ratschreibers in etwa vergleichbar sein – ist im Jahre 1816 Konrad Stocker erwähnt. Er war übrigens auch Lehrer an der damaligen Volksschule und dies über 50 Jahre lang. Als erster Ratschreiber ist im Jahre 1851 Johann Weber genannt. Karl Fehrenbacher übte dieses Amt als letzter Pfohrener bis zur Eingemeindung 1971 aus. Daher hat seine Familie auch den Hausnamen „’s Rootschriibers“ erhalten. Karl Fehrenbacher war danach bis zu seiner Pensionierung Grundbuchratschreiber im Donaueschinger Rathaus.

 

Der erste Bürgermeister Pfohrens war um das Jahr 1832 herum Josef Betz. Die Dauer seiner Amtszeit ist nicht bekannt. Als letzter Bürgermeister ging Karl Ohnmacht in die Geschichte Pfohrens ein.

 

 

 

Zum 1.1.1972 wurde Pfohren in die Stadt Donaueschingen eingegliedert. Die Bedingungen des künftigen Zusammenlebens wurden damals im Eingliederungsvertrag geregelt. Ab dem genannten Datum kümmern sich um die Belange der Ortschaft, der jeweilige Ortsvorsteher und die Ortschaftsräte, wobei wichtige Angelegenheiten vom Gemeinderat in Donaueschingen entschieden werden. Das Amt des Ortsvorstehers übten bisher Karl Ohnmacht, Franz Scherer und Gottfried Vetter aus. Seit den Kommunalwahlen im Mai 2014 ist Gerhard Feucht Ortsvorsteher des Stadtteils Pfohren.

 

 

 

Pfohren war früher ein ausschließlich von der Landwirtschaft geprägtes Dorf, und deshalb sehr arm. Mit ein Grund dafür ist die Tatsache, dass Pfohren im Gegensatz zu den Kommunen der Umgebung keinen Wald besaß.

 

 

 

Im Jahre 1471 wurde die Entenburg von Graf Heinrich IV zu Fürstenberg in zwei Jahren erbaut. Insgesamt drei Mal besuchte der König und nachmalige Kaiser Maximilian I. wohl mit großem Gefolge für mehrere Tage die Entenburg. Er war es auch, der ihr diesen Namen gab. Es bestehen keine Zweifel, dass die Pfohrener – Bauern, Handwerker und Tagelöhner – ihren Beitrag zur Versorgung der hohen Gäste in Form der Abgabe von Lebensmitteln leisten mussten. Dies verstärkte die Armut der „kleinen Leute“ noch mehr. 

 

 

 

Zu allem Elend hin wurde Pfohren am 29. März (Ostersonntag) im Jahre 1540 von einer Brandkatastrophe heimgesucht. 36 Häuser, damals fast das ganze Dorf, brannten nach einem von Dürre geprägten Jahr komplett ab.

 

 

 

Auch von den Auswirkungen des 30-jährigen Kriegs blieb Pfohren nicht verschont. Durchziehende Soldaten plünderten, und viele Häuser brannten auch damals ab. Die immer wieder aufttretende Pest trug ein Übriges zum Leid der Menschen bei.

 

 

 

In diesen schweren Zeiten wanderten viele Menschen nach Ungarn aus.

 

Im Jahre 1712 gingen auch 28 Bewohner von Pfohren diesen Weg. Zwischen 1750 und 1753 traten weitere Pfohrener diese Reise an. Glücklich wurde dabei kaum einer, viele raffte dort sogar die Pest dahin.

 

 

 

Im Jahre 1848 begann die Revolution im Großherzogtum Baden, die auch als „Hecker Aufstand“ bezeichnet wird. Ziel dieser Revolution war es, die Monarchie zu stürzen und eine Republik zu errichten. Der Pfohrener Andreas Willmann führte die Aufständischen der Baar an, und zog an der Seite von Friedrich Hecker in den Kampf. Nach der Zerschlagung der Revolution im Sommer 1849 flüchtete Andreas Willmann zuerst in die Schweiz und schließlich in die Vereinigten Staaten von Amerika. Hier verdiente er sich zunächst in der Bowery in New York den Lebensunterhalt mit einem Tabak- und Schnapsladen. Später machte er Karriere in der Politik agierte für die Republikaner in mehreren Präsidentschaftswahlkämpfen, bekleidete hohe Ämter und gehörte 1860 in New York zu den Gründern der Citizens Savings Bank, also der Stadtsparkasse New York. 

 

Im Jahre 2012 wurde ein Platz in Donaueschingen nach Andreas Willmann benannt. Auch vor dem Pfohrener Rathaus wurde ihm ein Denkmal gesetzt.

 

 

 

 

 

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinkte Pfohren in Ermangelung der finanziellen Möglichkeiten weiterhin der Entwicklung andernorts hinterher.

 

Ein Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes war die Einführung der Versorgung mit elektrischem Strom: Am Aschermittwoch 1921 erhellten erstmals Glühbirnen die Dunkelheit in Pfohrens Bauernhäusern.

 

Auch Elektromotoren konnten jetzt betrieben werden. Sie erleichterten insbesondere die landwirtschaftliche Arbeit erheblich. Pläne für die Einführung der Versorgung mit elektrischem Strom hatte es schon um das Jahr 1900 herum gegeben. Damals fehlten aber die notwendigen Mittel zur Finanzierung dieser Investition in die Zukunft. Am 25.4.1920 beschloss der Bürgerausschuss, einen außerordentlichen Torfabbau im Gewann Röhrle durchzuführen. Der Erlös diente dazu, die erforderlichen 300.000 Mark für die Stromversorgung zu erwirtschaften.

 

 

 

Bei der Bombardierung des Dorfes im Februar 1945 wurde das Leitungsnetz teilweise zerstört und danach nur notdürftig geflickt. Dadurch kam es in den Folgejahren bei starkem Schneefall, Gewittern oder Sturm immer wieder zu Stromausfällen. Auch aufgrund der zunehmenden Stromnutzung war das Netz den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die notwendige Abhilfe schaffte dann das Kraftwerk Laufenburg, an welches die Gemeinde das Stromnetz verkaufte, weil Pfohren dafür wieder einmal das notwendige Geld fehlte. 

 

 

 

Noch viel länger als auf Elektrizität musste Pfohren auf eine zentrale Wasserversorgung warten. Noch nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Wasser für jeglichen Bedarf aus Tiefbrunnen, die sechs bis zehn Meter tief waren, geschöpft. An schlechten Standorten teilten sich mehrere Familien einen Brunnen. In heißen Sommerperioden trockneten viele Brunnen aus. Dann musste Wasser aus der Donau mit Ochsen- oder Kuhgespannen zu den einzelnen Häusern gebracht werden. Viele Frauen wuschen auch die Wäsche im Wasser der Donau.

 

 

 

Fast alle Umlandgemeinden hatten bereits um das Jahr 1900 eine zentrale Wasserversorgung. In Pfohren konnte mit deren Bau erst 1948 begonnen werden, da vorher dafür keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen.

 

 

 

Damit die benötigten Wasserleitungsrohre beschafft werden konnten, musste sich jeder Haushalt einen Kostenbeitrag von 250 Mark bezahlen. Die Bewohner der Immenhöfe leisteten für die Anschlussleitung von Pfohren zu den Immenhöfen einen freiwilligen Sonderbeitrag von 5000 Mark.

 

 

 

Die Fertigstellung der Pfohrener Wasserversorgung wurde am 12. Februar 1950 mit einem Wasserfest begangen.

 

 

 

Auch mit dem Zustand der Straßen und Wege stand es in Pfohren nicht zum Besten. Erst im Jahre 1955 wurde mit Blick auf das 90-jährige Jubiläum der Feuerwehrkapelle im Jahre 1957 die Ortsdurchfahrt geteert.

 

 

 

Durch den fehlenden Wald war Pfohren lange auf Torf als Brennmaterial angewiesen. Bis zum Jahr 1983, als noch drei Einwohner vom Torf stechen Gebrauch machten, wurde in Pfohren fast ausschließlich mit Torf, in Pfohren Boschen genannt, geheizt.

 

Die ersten Boschen wurden jedoch 1756 im Gewann Wuhrhölzle auf der Gemarkung Hüfingen gestochen. 1774 begann dann der Torfabbau auch auf der Gemarkung Pfohren und zwar im Gewann Röhrle. 1781 wurde dann im Gewann Birkenried ein weiterer Torfstich eröffnet. 1839 wurden schließlich auch noch das Mittelmeß für den Torfabbau genutzt. Im Jahre 1880 wurden über zwei Millionen Stück Boschen gestochen.

 

Der letzte Aufseher in den Torfstichen, in Pfohren auch Boschenkönig genannt, war Ernst Schöndienst.

 

 

 

Das kirchliche Leben spielte in Pfohren von je her eine gewichtige Rolle.

 

Bereits im Jahre 856 ist in Pfohren ein Priester mit dem Namen Otolf urkundlich erwähnt. Er stammte aus dem Adel, und es gibt die starke Vermutung, dass der Mitglied der Hofkapelle (geistliches Beratergremium des Kaisers) von Kaiser Karl III. („der Dicke“) war, der in im benachbarten Neudingen starb. Otolf, dies ist urkundlich belegt, war auch eingeschriebener Bruder im fränkischen Reichsklosters Sankt Gallen. 

 

1275 und noch einmal 1324 war Pfohren Dekanatssitz. Dies war früher von enormer Bedeutung und strahlte auf die ganze Umgebung aus.

 

 

 

Von 1871 bis 1873 wurde die Pfohrener Kirche komplett renoviert und der Kirchturm in der heutigen Form gestaltet. Zu Beginn der langjährigen Amtszeit von Pfarrer Lorenz Kimmig wurde von 1961 bis 1964 die Kirche um- bzw. neu gebaut. Von der alten Kirche blieben der Chorraum und der Turm erhalten.

 

 

 

Einziges Pfarrergrab auf dem Pfohrener Friedhof ist derzeit die Grabstätte von

 

Emil Nikolaus Fehrenbacher. Er erhielt ein Ehrengrab der Gemeinde.

 

Der in Pfohren geborene Jens Fehrenbacher ist heute Pfarrer im Simonswäldertal.

 

 

 

Trotz der schon mehrfach erwähnten Geldknappheit hatte Pfohren früher keinen Mangel an Gaststätten. Es wird vermutet dass es Zeiten mit sechs bis acht Wirtschaften im Ort gab. Heute kann man davon nur träumen.

 

 

 

Einen Teil ihrer Freizeit verbrachten und verbringen die Pfohrener gerne in den Vereinen. Letztendlich sind Vereine immer ein Spiegelbild der Zeit.

 

 

 

Neben den existierenden Vereinen sind im Laufe der Jahre auch viele Vereine

 

Verschwunden; so zum Beispiel der Bauernverein, Fleischabnahmeverein, kath. Jungmännerverein, kath. Volksverein, Kleinkaliber-Schützenverein, liberaler Volksverein, Militärverein, Radfahrverein, Raiffeisen-Warengenossenschaft, Verein junger Leute,Volksverein, Trachtenverein sowie der Mädchenfanfarenzug, eine Untergruppe der Schnuferzunft.

 

 

 

Durch die Existenz vieler Vereine entwickelt sich nicht zuletzt eine intakte Dorfgemeinschaft.

 

 

 

Beispielhaft waren das Narrentreffen 2006 sowie das Feuerwehrjubiläum 2016.

 

 

 

Nun sind die Pfohrener, insbesondere alle Vereine und Gruppen erneut extrem gefordert. Im Jahre 2017 sind nämlich mit dem 150-jährigen Jubiläum der Feuerwehrkappelle, der 1200 Jahrfeier der Gemeinde sowie dem Mofarennen gleich drei Großveranstaltungen zu bewältigen.

 

 

 

Mit der Vorfreude auf diese Festveranstaltungen ist gleichzeitig auch für alle Einwohner des Stadtteils Pfohren die Verpflichtung verbunden, sich in der Qualität zu präsentieren, wie es die Gäste von anderen Veranstaltungen in Pfohren gewohnt sind.